Entspannt UND überzeugend präsentieren

Müssen Sie hin und wieder präsentieren? Vor eine Gruppe treten und berichten, erläutern, argumentieren, verteidigen, empfehlen? Dann habe ich heute einen kleinen aber feinen Tipp für Sie, mit dem Sie ab sofort entspannter UND überzeugender auf die Bühne gehen können.

Wenn wir anfangen, uns mit einem Thema zu beschäftigen, über das wir später schreiben oder sprechen wollen, werden wir erst einmal zum Jäger und Sammler. Man kann es auch Recherchieren nennen: Wir sammeln Fakten, Ideen, Wissen, Gedanken, Material aller Art. Wie früher bei einem Referat.

Dann folgt die Phase des Sortierens. Wir ordnen, priorisieren, clustern, kategorisieren, verdichten usw. Dabei sortieren wir sowohl das Material als auch unsere Gedanken und werden uns dabei immer klarer, wo genau die Reise – sprich die Präsentation – hingehen soll.

Dies tun wir so lange, bis wir schließlich auf den Punkt kommen. Bis am Ende eine Kernbotschaft auf dem Papier steht. Die zentrale These, Idee, Aussage.

Und jetzt machen die meisten denselben Fehler!

Wer sein Publikum in den Schlaf reden will, der präsentiert jetzt genau so, wie er sich vorbereitet hat: Von der Breite in die Tiefe, von den Hölzchen auf’s Stöckchen:

Ein Aspekt folgt dem anderen, ein Beispiel toppt das nächste – der ganze Wald der Fakten und Gedanken senkt sich bleiern über die müden Kollegen. Wenn man Glück hat, schweigen alle höflich. Wenn man Pech hat, gibt einer seinem Genervt-Sein freie Bahn und schießt Präsentationstorpedos ab: unangenehme Zwischenfragen, lautes Augenrollen, demonstratives Handy-Surfen usw. Und auf der Bühne strömt der Angstschweiß…

pyramide-2Die Lösung ist so einfach wie durchschlagend: Drehen Sie das Ganze um!

Nennen Sie als Erstes Ihre Kernaussage. Ihr Fazit. Den Punkt, um den sich alles dreht.

Danach erst kommen all die Beweise Ihres Fleißes: Die Beispiele und Argumente.

Warum?

Die meisten von uns haben inzwischen schon dutzende, wenn nicht hunderte Präsentationen erlebt und durchlitten. Das führt dazu, dass wir jeden Redner gnadenlos abchecken, ob wir ihm zuhören wollen oder nicht. Binnen Sekunden entscheiden wir, ob wir die Neugier wählen oder die innere Kündigung.

Das heißt für den Redner: er muss so schnell wie möglich darstellen, warum man ihm zuhören soll. Sagen, was genau sein Thema ist. Er muss andeuten, wie er es darstellen wird und zeigen, was seine Zuhörer davon haben, wenn sie ihm zuhören. Ein Zuhörer, der diese Möglichkeit nicht bekommt, steigt aus und stört.

Dafür ist es hilfreich, sich nicht langsam an die Kernaussage heran zu robben (wie bei der Vorbereitung) sondern direkt mit ihr ins Publikum zu fallen. Dann weiß der Zuhörer sofort, worum es geht. Er kann sich orientieren. Und im besten Falle ist er daran interessiert zu erfahren, wie Sie Ihre These belegen werden.

Auch für den Redner ist dieses pyramidonale Vorgehen entspannter, denn man weiß schon nach den ersten Worten seiner Präsentation, dass man das Wichtigste gesagt hat. Dadurch entfällt der Stress, im gesetzten Zeitrahmen und angesichts unkalkulierbarer Zwischenfragen sowie eventueller Verhaspelungen und Blackouts punktgenau zum Ziel zu kommen.

Wenn Sie gleich am Anfang sagen, was der Kern Ihrer Rede ist, dann können Sie entspannt loslassen. Dann ist Raum für Fragen und Unvorhergesehenes. Denn Sie haben das Wichtigste ja bereits gesagt. Sie starten sozusagen am Ziel.

Anfangs schrieb ich von einem kleinen aber feinen Tipp. In meinen Rhetorikseminaren mache ich immer wieder dieselbe Erfahrung: die Teilnehmer nehmen diesen Tipp zur Kenntnis und finden ihn ganz interessant. Mehr aber auch nicht. Wenn wir aber ein paar Wochen oder Monate später noch mal miteinander sprechen, dann ist da immer Begeisterung in der Stimme; eine Mischung aus Freude und Überraschung darüber, wie sehr sie sich die Arbeit hierdurch leichter machen konnten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg und viel Spaß bei Ihrer nächsten Präsentation!

Und wenn Sie so richtig ins Thema Rhetorik einsteigen wollen, dann lade ich Sie in mein Seminar ein:

9.-10. Oktober 2017 in Stuttgart
4.-6. Dezember 2017 in Bonn

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