Die Welt im Umbruch – persönliche Wut und kollektive Gewalt

Überall auf der Welt zeigen Menschen dieselbe Strategie: Sie suchen sich ein bestehendes System, tun so, als läge ihnen inhaltlich etwas daran und nutzen es als Legitimation für öffentlich zelebrierte Gewalt:

Der IS nutzt den Islam, der Schwarze Block nutzt die Kapitalismuskritik, die Rechten nutzen das Bedürfnis des Menschen nach Identität.

Die Gewalt wird im öffentlichen Raum ausgelebt, sie bedroht und verletzt die Gemeinschaft. Damit tarnen die Gewalttäter den eigentlichen Ursprung ihrer Gewalt: die ganz persönliche, individuelle Frustration über ein Leben, in dem sie keine oder zu wenig Selbstwirksamkeit, Respekt, Sinn, Perspektive erfahren.

Kurz gesagt: Es handelt sich im wesentlichen um Männer, die sich entschieden haben, sich beleidigt und gekränkt zu fühlen – und zwar so sehr, dass der daraus resultierende Hass ihre Fähigkeiten zur Selbstregulierung überschreitet.

Eigentlich ein kindisches, für Erwachsene überaus peinliches Verhalten. Daher brauchen sie dringend eine Entschuldigung für ihr Tun – und sie wählen dazu immer: die Verteidigung. Die einen verteidigen den wahren Glauben, die anderen verteidigen die Armen und wieder andere verteidigen den Volkswillen. Es findet sich immer was…

Die Mischung aus Banalität und Bösartigkeit, die sich hier zeigt, ist für Außenstehende nur schwer ertragen, weshalb sie ihrerseits nach einem tieferen Sinn suchen. Diese Suche findet vor allem in den Medien statt, in denen spitzfindige Erklärungen für die Gewalttaten herbeispekuliert werden. Aktuell ist bsp. Scholz Schuld oder die falsche Strategie der Polizei…

Diese Debatten verwechseln allerdings die Dimensionen von „Schuld“ und „Verantwortung“. Schuld ist und bleibt immer der Gewalttäter. Punkt. Und er ist auch in der Verantwortung dafür zu sorgen, dass er sich künftig anständig verhält. Und natürlich ist auch der Staat in der Verantwortung zu überlegen, welche Strukturen er schaffen kann, um Menschen, die auf diese destruktive Weise schuldig werden wollen, in ihre Schranken zu weisen.

Da aber gilt letztlich die Weisheit von Friedrich Schiller: Du kannst nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Mit anderen Worten: Wer hassen und wüten will, wird das tun. Es sei denn, man sperrt ihn (auch präventiv) ein, was eine liberale Gesellschaft nur bedingt tun kann, ohne sich selbst zu verraten.

Aber sie kann auch nicht so tun als gäbe es diese Jahrzehnte des Umbruchs nicht, in denn wir gerade stecken. Ein Umbruch, der zahllose männliche Verlierer produziert, die ihre Niederlage nicht kampflos hinnehmen. Am Ende wird etwas Neues entstanden sein, und die Historiker werden die Riots der Linken, der Rechten, des IS erkennend einsortieren. Noch aber stecken wir mittendrin im Umbruch…

 

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