Ehe für alle – Polarität und Entscheidung

„Ein Kind braucht Vater und Mutter in ihrer Unterschiedlichkeit“ – das stimmt. Und das ist auch das Unbehagen, dass bei aller Freude über den überfälligen Schritt übrig bleibt.

Weibliches und Männliches, Yin und Yang, Anima und Animus. Wir erfahren unsere Welt in Polaritäten, und wenn Kindern der Zugang zu einer der beiden Qualitäten fehlt – dann fehlt ihnen etwas. So ist es einfach.

Nur: Was folgt GESETZLICH daraus? Muss, kann, darf, soll alles, was auf SEELISCHER Ebene bedeutsam ist, auch in juristische Strukturen gegossen werden?

Nehmen wir das Thema Abtreibung. Die wenigsten Eltern genießen eine Abtreibung oder empfinden sie als beiläufigen Akt. Viele leiden noch Jahre später darunter; manchmal taucht das Thema sogar transgenerational in Familienaufstellungen wieder auf. Dennoch verbieten wir sie nicht sondern akzeptieren die letzte Entscheidung als eine persönliche, intime, private.

Nun kann man eine Eheschließung nicht mit einer Abtreibung vergleichen, aber das Prinzip greift dennoch: es gibt Lebensbereiche, die einen – manchmal schwierigen, manchmal brutalen – Balance-Akt darstellen. Und manchmal gibt es keine RICHTIGE Entscheidung, sondern nur eine Entscheidung. Und das ist dann auch richtig so, denn das ist Leben.

gay2Zurück zur Ehe. Ein Kind braucht beide Pole. Heißt das, dass ein schwules oder lesbisches Paar das nicht anbieten kann? Natürlich kann es das! Denn die Pole sind QUALITÄTEN und keine Geschlechtsorgane. In jedem von uns stecken BEIDE Pole, beide Qualitäten – und in mancher Frau mehr Männliches und in manchem Mann mehr Weibliches als man gemeinhin denkt. Hinzu kommt, dass es Freunde, Familie, Paten etc. gibt, die ebenfalls als Rollenvorbild ins Leben des Kindes treten können. Hier braucht es nur ein wenig Kreativität, Offenheit und Bereitschaft.

Wenn es uns als Gesellschaft wirklich so wichtig wäre, dass kein Kind ohne beide Pole „Vater“ und „Mutter“ aufwächst: müssten wir dann nicht konsequenterweise alle Eltern überwachen, ob sie genügend Polarität anbieten? Und was, wenn nicht? Wenn ein Elternteil sich aus dem Kontakt mit dem Kind zurückzieht, aus welchen Gründen auch immer? Müsste der Staat dann nicht eine juristische Sanktion verhängen und Zwangs-Aushilfs-Pole verordnen?

Hier schließt sich der Kreis zu meinem krassen Vergleich. Es gibt Lebensbereiche, die können juristisch nur bedingt geregelt werden. Den Rest entscheiden die beteiligten Individuen. Zumeist im besten Wissen und Gewissen.

By the way: Wenn ich mir anschaue, wie viele kinderfeindliche Strukturen unsere Gesellschaft bei allem Guten immer noch aufweist, so glaube ich nicht, dass das Unbehagen angesichts der Ehe für alle, wirklich (nur) aus dem Wunsch nach Kindeswohl resultiert. Wenn dieser Wunsch tatsächlich so groß wäre, dass man sogar bereit ist, Liebenden die Ehe zu verbieten, dann könnte man diese Energie auch in Projekte stecken, die das Kindeswohl viel umfassender und nachhaltiger stärken als es ein Verbot der Home-Ehe kann.

Just my 50 cent…

PS. Zentrale, grundsätzliche Veränderungen sind IMMER mit Unbehagen, Angst, Vorbehalten, Skepsis, Sorge, Ablehnung verbunden. Das ist normal, und niemand kann sich davon freisprechen. Insofern braucht es jetzt auch keinerlei hämische Kommentare seitens der ‚Gewinner‘. Bloß Freude und Liebe.

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