Kintsugi – oder: Coaching als Kunst der Transformation

Was machst Du eigentlich? Gar nicht so leicht zu beantworten, diese Frage.

Seit ich diesen Beruf mache, kreiere ich Formulierungen, Elevator Pitches, Definitionen und Beschreibungen für etwas, das kaum zu fassen ist. Einfach zu sagen „Ich bin Coach/Trainer/Redner/Berater“ trifft es nicht. Das sind nur Substantive; abstrahierte Verben. Konkrete Handlungen, in unkonkrete Nomen gegossen.

Vor kurzem aber bin ich auf ein Bild gestoßen, das auf geradezu perfekte Weise symbolisiert, was ich wirklich tue.

Es gibt in Japan eine fünfhundert Jahre alte Technik, mittels derer zersprungene  Keramik kunstvoll repariert wird. Dabei werden die einzelnen Scherben wieder zusammengefügt und gekittet – aber nicht so, dass man die Nähte nicht sieht, sondern gerade so, dass man sie sieht.

Kintsugi heißt diese Methode. Dabei wird dem Kitt Gold, Silber oder Platin beigemischt, und die Nähte zwischen den Scherben, die vom Kitt gefüllt werden, werden überraschend breit gehalten.

So wird die Keramik wieder heil und in ihrer Funktion (Tasse, Schale, Vase…) handlungsfähig – aber ihre Verletzungen und Verwundungen bleiben sichtbar und werden durch das edle Metall sogar noch hervorgehoben.

Auf diese Weise erfolgen Reparatur und Weiterentwicklung – Heilung und Transformation.

Eben dies erleben die Menschen, mit denen ich arbeiten darf. Wir schauen ihre tiefsten Verletzungen an; ihre Lebenswunden. Weichen ihnen nicht aus. Nehmen Sie in den Blick. Versuchen nicht, sie wegzumachen oder ins Unkenntliche zu glätten.

Meine Klienten nehmen ihre Lebenswunden voll und ganz zu sich – und transformieren sie in ihre großartigsten Fähigkeiten und Talente; in ihre Lebensmission.

Die Wunde als Tor ins Paradies. Die Wunde als Tür zu dem Leben, das wirklich für uns bestimmt ist.

Viele unserer Verletzungen heilen; werden unsichtbar. Unsere Lebenswunde aber bleibt. Wir können sie heilen; ihre Narbe aber wird uns Zeit unseres Lebens an sie erinnern. Diese Narbe zu schmücken, zu ehren, zu respektieren, anzunehmen, im Blick zu halten ohne sich ihr zu unterwerfen. Damit etwas Neues entstehen kann. Auf einer höheren Ebene. Zu unserem Wohle und zum Wohle aller.

Das ist meine Arbeit.

Eine Arbeit der Liebe und der Transformation. Ehrlich, direkt und geradeaus. Liebevoll, respektvoll, ganz im Vertrauen auf das Potenzial des Klienten.


Wunderschöne Beispiele für gelungenes Kintsugi finden Sie hier (Pinterest) und hier (Tumblr) und bei der Lakeside Pottery LLC. Das Foto auf dieser Seite stammt von Haragayato (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons.

Wie ein Herz aussieht, das verwundet und transformiert wurde, zeigt TJVolonis


Mehr dazu, worum es in meiner Arbeit geht, sehen Sie hier:
http://www.berenfaenger.com/worum-es-geht.html

 

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